Brainwave Entrainment

Mistakes are the portals of discovery. — James Joyce



Diese Antworten (auf die FAQs) beschreiben Brainwave Entrainment oder Brainwave Synchronisation.

Index:

Q: Was ist Brainwave Entrainment?

A: Entrainment ist ein physikalisches Prinzip. Es ist definiert als Synchronisierung von zwei oder mehr rhythmischen Zyklen. Die Prinzipien von Entrainment sind universal und in der Chemie, Neurologie, Biologie, Pharmazie, Medizin, Astronomie usw. wiederzufinden.

Die elektrischen Vibrationen des Gehirns, welche mit der EEG (Elektro-Enzephalographie) gemessen werden, können sich in bestimmten Frequenzbereichen zwischen 0.5Hz und 30Hz befinden. Brainwave Entrainment, oder Brainwave Synchronisation, ist nun der Prozess durch binaurale beats (siehe unten) diese Frequenz zu verändern um so in andere Bewusstseinszustände zu gelangen.


 State  Frequenz Geisteszustand
 Delta  0.5-4Hz Tiefschlaf
 Theta  4-8Hz schläfrig, Trance
 Alpha  8-14Hz relaxed aber aufmerksam
 Beta  14-30Hz sehr aufmerksam und fokussiert


Durch externe Stimuli ist es möglich die Gehirnfrequenz durch äußere Einflüsse von einem Zustand zum nächsten zu synchronisieren. Wenn sich z.B. die Person im Beta-Status befindet und ein Stimulus von 10Hz über geraume Zeit appliziert wird, dann wird sich die Gehirnfrequenz aller Wahrscheinlichkeit anpassen. Dieses Phänomen wird auch Frequency Following Response genannt. 

Jeh näher die Gehirnfrequenz dem äußeren Stimulus (oder vice versa), desto effizienter das Entrainment. Starten sollte man Brainwave Entrainment also meist zwischen 15Hz und 20Hz.

Q: Was sind binaurale beats?

A: Da ein Stimulus zwischen 0.5Hz und 30Hz zu niedrig für das menschliche Gehör ist um wahrgenommen zu werden, bedient man sich eines Tricks. Den beiden Ohren werden Töne verschiedener Frequenzen dargeboten. Der Unterschied beträgt eben genau die Frequenz mit welcher man die Gehirnfrequenz synchronisieren möchte. Beispielsweise wird dem linken Ohr eine Frequenz von 410Hz dargeboten und dem rechten eine von 420Hz. Der Unterschied, 10Hz, wird nun vom Gehirn wahrgenommen (bei Benutzung von Stereo Kopfhörern) und es synchronisiert sich. Dieser Effekt ist durch EEGs nachgewiesen.

Es gibt auch andere Wege einen Stimulus für das Gehirn zu erzeugen. Zum einem visuelle Pattern, in einer Art Stroboskop-Effekt, bei welcher sich 2 Lichtquellen in der gewünschten Frequenz abwechseln (oder eine Lichtquelle in einer bestimmten Frequenz an und aus stellt). Eine weitere akkustische Variante wäre, einen Kanal einer Stereo Soundquelle um die gewünschte Frequenz zu verzögern. Dazu benötigt man Trägerwellen, wozu sich jede Soundquelle eignet. Da durch das Delay allerdings Effekte einstellen, die bei Musik oder Stimme nicht unbedingt erwünscht sind (Verzerrung) ist es empfehlenswert als Trägerwelle white noise (oder brown/pink noise) zu benutzen und das ganze dann leise der gewünschten Musik unter zu mischen.

Um noch bessere Erfolge zu erhalten, sollte man mit einer Frequenz beginnen, die der momentanen Gehirnfrequenz ähnlich ist, und dann langsam die Frequenz des binauralen beats in die gewünschte Frequenz modulieren.

Q: Wozu ist Brainwave Entraining nun also gut?

A: Wie oben schon beschrieben kann man Brainwave Entraining dazu nutzen, um in andere Bewusstseinszustände zu gelangen. Eine Anwendung wäre z.B. sinnvoll für Menschen mit Einschlafstörungen. Ebenso kann Brainwave Entraining eine Selbst- oder Ersthypnose erleichtern (Ersthypnose deshalb, weil nach einer Ersthypnose jede weitere tiefe hypnotische Trance so gut wie spontan wieder erreicht werden kann, wenn diese Suggestion in der Ersthypnose  gegeben wurde – oft sogar ohne diese Suggestion).

In Zeiten von MP3-Playern ist es natürlich ebenso möglich während der Arbeit revitalisierende binaurale beats zu hören, wenn man nicht gerade auf einer Baustelle oder als Musiker arbeitet. Beim lernen kann Brainwave Entrainment sehr hilfreich sein. Die Theta Frequenzen (4-7Hz) verkürzen die Lern-Zeiten. Kinder verbringen viel mehr Zeit als Erwachsene im Theta Stadium. Wenn man davon ausgeht, dass die hypnotische Trance sich ebenfalls in dieser Frequenz-Weite befindet, und man weiss, dass durch die Fixierung und anderer Phänomene der Hypnose das Lernen tatsächlich beeinflusst werden, dann scheint diese Vermutung recht naheliegend.

Einige Menschen berichten, dass eine halbe Stunde im Theta Stadium ihren Schlafbedarf um 4 Stunden verringert. Das würde konform mit Aussagen darüber gehen, dass Meditation den Schlafbedarf um einige Stunden verringern kann. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema sind mir nicht bekannt und persönliche Erahrungen damit habe ich bisher auch noch nicht gesammelt.

Letztlich soll Brainwave Entrainment auch die Heilung bestimmter psychologischer Krankheiten begünstigen, wie z.B. Depressionen (bipolare oder unipolare disorder), niedrige Selbstachtung, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS), Süchten, Autismus und mehr. Dieser Aussage stehe ich selbst kritisch gegenüber. Es gibt zwar Studien zu BE und einigen der genannten Krankheiten, allerdings habe ich persönlich noch keine davon untersucht. Bei ADS kann ich mir vorstellen, dass niedrigere Frequenzen sicher eine beruhigende Wirkung haben können. Bei Depressionen können höhere Frequenzen sicher eine (kurzzeitige) Besserung bewirken. Meiner Meinung nach wird dadurch aber nur das Symptom behandelt und nicht die Krankheit. Depressionen z.B. haben grundsätzlich ein Ereignis im Leben des Depressiven als Ursache. Wird dies nicht gelöst, verlagern sich die Probleme nur nach Lösung eines Symptoms (wie bei allen Krankheiten) oder es kehrt nach einiger Zeit wieder zurück. Wer sich weiter damit auseinandersetzen möchte findet die Bibliographie hier.

Q: Ist Brainwave Entrainment wirklich so hilfreich?

A: Meiner Meinung nach kann man durch Selbsthypnose viel mehr erreichen, als durch Brainwave Entrainment. Nichtsdestotrozt kann es hilfreich sein, insbesonders für die ersten Selbsthypnose-Versuche, Brainwave Entrainment zu nutzen. Ebenso kann es beim lernen sehr unterstützen.  Selbsthypnose, sowie natürlich Fremdhypnose, führen – wenn vernünftig durchgeführt – viel schneller zum erwünschten Ziel. Klar ist es möglich, durch wiederholte Suggestion vor dem Schlafengehen, Dinge in seinem Leben zu ändern. In der Hypnose lassen sich Dinge jedoch gezielt angehen und sofort ändern.

Eine Unterstützende und bewiesene Wirkung hat Brainwave Entrainment in jedem Fall – perfekt für selbstgemachte Hypnose Bänder, aber auf lange Sicht gibt es bessere Alternativen.  Das ist allerdings nur meine persönliche, noch nicht allzu qualifizierte Meinung. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte sollte einen Blick auf die Bibliographie werfen.

Q: Beeinflusst MP3-Kompression die Effekte binauraler beats?

A: MP3-Kompression basiert auf der Entfernung von hochfrequenten Komponenten des Sound-Streams. Da binaurale beats im niedrigfrequenten Bereich erzeugt werden, geht der Effekt durch MP3-Kompression nicht verloren, solange die Kompression den rechten und linken Sound-Channel nicht vermischt. Kompression zu einem Mono-MP3-File macht das File für Brainwave-Entrainment also unbrauchbar.

Oftmals wird als Träger-Waveform white noise benutzt. Da white noise, ähnlich den Zischlauten der menschlichen Sprache, viele Obertöne hat kommt es bei einer Kompression zu einer Klangveränderung. Trotzdem ist der Effekt der Selbe. Bei Nutzung eines Musik-Files als Trägerwelle ist darauf zu achten, dass sich die Wellen der Musik und die binauralen beats nicht gegenseitig neutralisieren. Insbesonders sollte bei einer Erstellung einer persönlichen Hypnose CD z.B. darauf geachtet werden, dass das Mastering vor dem mixen der eigentlichen Sound-Datei (Stimme/Hintergrundmusik) und der Trägerwelle und den binauralen beats stattfindet.

Der beste Effekt wird (meiner nicht wissenschaftlich belegten Erfahrung nach) beim Brainwave Entrainment erzielt, wenn als Trägerwelle eben white noise durch eine hypnotische Trance induzierende Suggestionen untermalt wird. White noise verstärkt außerdem den hypnotischen Trancezustand, weil sie ein wenig so klingt wie ein entfernter Wasserfall.

Q: Kann ich Brainwave Entrainment überall und zu jeder Zeit durchführen? Vielleicht durch hören eines bearbeiteten Songs meiner Lieblingsband beim Autofahren?

A: Viele kommerzielle Software-Hersteller von Programmen, deren Programme binaurale beats automatisch in Musik-Files erstellen werben damit, dass man so Brainwave Entrainment überall durchführen kann. Also z.B. vor dem Computer.

Wissenschaftlich belegen kann ich folgende Aussagen nicht, aber allein von der Logik her lässt sich feststellen, dass sich mein Gehirn, wenn ich am Rechner sitze und arbeite, in einem Zustand befindet, der sich z.B. von dem des luziden Träumen um einiges unterscheidet. Höre ich nun binaurale beats welche luzides Träumen unterstützen sollen, wird (logischer Weise) ein Konflikt entstehen. Entweder ich beginne nun luzid zu träumen, oder aber mein Bewusstseinszustand bleibt weiterhin der, der er vorher war bei der Arbeit am Rechner. Beide Zustände sind nicht das, was uns von diesen Software-Herstellern versprochen wird. Ein simples Sublimal-Tape (also mit nicht/kaum hörbaren Suggestionen im Hintergrund), von mir aus auch im Hintergrund einer Musik-Datei, wird sicherlich einen größeren Nutzen haben, da mein Unterbewusstsein sich nicht zusätzlich noch die ganze Zeit entscheiden muss, in welchem Zustand es nun eigentlich sein soll.

Vor allem würde ich davon abraten, beim Autofahren oder ähnlich wichtigen Dingen, mit binauralen beats modifizierte Musik zu hören. Passives hören führt zwar normalerweise nicht zu einer Synchronisation, ebensowenig hören ohne Kopfhörer, aber allein die Monotonität des Trägertones, selbst wenn fast unhörbar im Hintergrund, kann das Fahrvermögen beeinflussen.

Abgesehen davon, gibt es sicher auch Situationen, in denen man sehr gut auch nebenbei Brainwave Entrainment betreiben kann. Ich schaue z.B. an meinem Rechner und meist mit Kopfhörern fern. Wenn ich nun darauf achte nicht unbedingt binaurale beats zu verwenden, welche mich in den Schlaf wiegen, ist es durchaus möglich leise im Hintergrund eine white noise Trägerwelle mit binauralen beats zu hören und einen Effekt zu erzielen. Selbiges trifft fürs lesen zu und ähnliche Tätigkeiten. Wer keine Angst hat seine Kopfhörer kaputt zu machen oder im Schlaf an seinem Kopfhörer zu ersticken, dem kann das sogar nachts etwas bringen.

Q: Kann Brainwave Entrainment helfen in hypnotische Trance zu gelangen?

A: Aber sicher doch! Besonders sinnvoll ist Brainwave Entrainment bei Erstellung von Selbsthypnose Sessions. Es ist allerdings zu bemerken, dass dies eigentlich nur in der Ersthypnose sinnvoll ist. Wird in dieser Ersthypnose suggeriert, dass der Hypnotisand in folgenden hypnotischen Traceinduktionen schnell wieder diesen Zustand erreicht, kann Brainwave Entrainment dem sogar entgegenwirken. Zum Beispiel in dem Fall das die Brainwave Entrainment Session so generiert wurde, dass ein langsamer Verlauf (sagen wir 10-15 Minuten) von 15Hz zu 4Hz erfolgt. Das könnte die Tranceinduktion, welche nach der erfolgten Suggestion nur noch wenige Sekunden dauern sollte,  behindern. Normalerweise würde aber einfach der Fall eintreten, dass das Brainwave Entrainment gar keinen sichtbaren Effekt hat (die Suggestion sollte stärker wirken als das Brainwave Entrainment, welches erstens eine Zeit dauert bis es wirkt und zweitens um so weniger wirkt jeh mehr sich Gehirnstromfrequenz und induzierte Frequenz unterscheiden). 

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Saturday, September 23rd, 2006 at 22:36
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