Hypnose – Übersicht

The reason we all like to think so well of others is that we are all afraid for ourselves. The basis of optimism is sheer terror. — Oscar Wilde



Dieser Artikel gibt einen kleinen Überblick über das Thema Hypnose.

Index:

Der Begriff Hypnose wurde vom griechischen Wort hypnos abgeleitet, welches den griechischen Gott des Schlafes bezeichnet und auch im Allgemeinen soviel bedeutet wie „Schlaf“. Man ging früher davon aus, dass der Zustand der Hypnose ein schlafähnlicher Zustand sei. Heutzutage ist jedoch klar, dass der sich in hypnotischer Trance befindliche sehr wohl in einem Wachzustand und bei vollem Bewusstsein befindet, selbst in tiefen hypnotischen Trancen.

Hypnose bezeichnet entweder das Verfahren zu Herbeiführung einer Trance, die durch tiefe Entspannung und geänderte Aufmerksamkeit (Fixierung, siehe weiter unten) gekennzeichnet ist. Eine andere verwendete Begrifflichkeit ist „hypnotische Induktion“. Oder der Begriff beschreibt den Zustand der hypnotischen Trance, welcher durch hypnotische Induktion erreicht wird.

In dem Zustand der hypnotischen Trance sind sowohl die Ansprechbarkeit des Unterbewusstseins, als auch die Konzentration auf eine bestimmte Sache (Fixierung) stark erhöht. Unterschieden wird zwischen Selbsthypnose (auch Autohypnose) und Fremdhypnose (Heterohypnose).

Um den Begriff der Hypnose vom Schlaf und dem der Show-Hypnose abzugrenzen, und auch um eine Unterscheidung der oben genannten beiden Begrifflichkeiten zu gewährleisten (hypnotische Induktion und hypnotische Trance), wurden die Begriffe „Einideeigkeit“ oder „Monoideismus“ als Ersatz vorgeschlagen. Diese bezeichnen vortrefflich das Phänomen der Fixiertheit auf eine Sache, welches der hypnotischen Trance inhärent ist. Durchgesetzt werden konnte diese Begrifflichkeit bisher jedoch nicht.

Hypnotische Trancezustände unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von anders induzierten Trancen  (schamanischen,  etc.) Man kann also sagen, dass sich ein Schamane bei Ausübung seiner Arbeit in einer (Auto- oder Selbst-) Hypnose befindet. Der Unterschied besteht einerseits in der Form der Induktion, und andererseits in dem, was letztlich in der hypnotischen Trance durchgeführt wird. 

Hypnose wird schon seit Jahrtausenden von Menschen angewendet. Wie sie sich genau entwickelt hat, und wann sie das erste Mal angewendet wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Der älteste Hinweisw wurde im dreitausend Jahre alten Ebers-Papyrus in Egypten gefunden. Schamanen benutzen seit Jahrtausenden die Selbst- und Fremdhypnose während ihrer Heilrituale und Traumreisen.

Der Beginn der modernen Hypnose wird Anton Messmer zugeschrieben, welcher Magneten auf Patienten auflegte um sie zu heilen. Er nannte das animalischer Magnetismus und schrieb seine tatsächlichen Heilerfolge den Magneten zu. Man nannte diese Therapie später auch Mesmerismus, unter welchem Namen sie auch heute noch bekannt ist. Später erkannte man, dass das eigentliche Wirkprinzip die Suggestionen waren welche Mesmer während seiner Behandlung nutzte.

Um 1840 interessierte sich John Elliotson, einer der größten Chirurgen seiner Zeit, für den animalischen Magnetismus. Er benutze hypnotische Anasthesie (Betäubung) während seiner Operationen und wurde deshalb von seinen Kollegen diffamiert, beharrte trotzdem auf die Weiterverwendung der Hypnose. In der selben Zeit operierte ein anderer britischer Chirurg, John Esdaile, ebenfalls mehrere Tausend Patienten während diese unter hypnotischer Anästesie standen. Der Begriff des hypnotischen Comas, in dem eine spontane Ganzkörper-Anästhesie auftritt unter deren Einfluss chirurgische Operationen bei vollem Bewusstsein des Patienten möglich sind, wurde nach ihm benannt (Esdaile-Zustand).

James Braid, ein weiterer britischer Arzt dieser Zeit, stellte schliesslich fest, dass der Trancezustand von mesmerisierten Patienten tatsächlich durch Suggestionen hervorgerufen werde. Er begann mit Augenfixation zu arbeiten und die Induktion durch Verbalsuggestionen zu erreichen. Er war es auch, der dieses Phänomen mit dem Wort Hypnose betitelte.

Den Durchbruch schaffte die Hypnose schliesslich um die 1880, als Berhein und Libéault sich anfingen mit dem Phänomen zu beschäftigen und sie zu praktizieren. Viele Ärzte Europas, unter anderem Breuer, kamen um sie zu erlernen. Breuers Freund und Schüler Sigmund Freud wandte sich von der Hypnose ab, weil er selbst kein guter Hypnotiseur war und die Möglichkeiten der Hypnose nicht erkannte. Das führte wieder zu einem Nachlassen im Interesse der Hypnose gegenüber.

Mittlerweile ist die Hypnose jedoch sehr gut erforscht und ihre Wirksamkeit durch über 140 internationale Studien belegt. 1955 beführwortete die Britisch Medical Association die Anwendung der Hypnose in Kliniken. 1958 folgte die American Medical Association diesem Beispiel. Deutschland brauchte für die Erkenntnis etwas länger.

Zum Thema Hypnotisierbarkeit gibt es mehrere Theorien. Allgemein wird davon ausgegangen, dass ca. 10% der Menschen leicht hypnotisierbar sind, und 5% gar nicht. Einschränken wird man diese Ansicht spätestens dann, wenn man sich bewusst macht das wir viele alltägliche Situationen in einer zumindest leichten Hypnose ausführen (z.B. lesen, ja selbst zuweil Autofahren). Viele Hypnotherapeute gehen heutzutage davon aus, dass jeder Mensch eine tiefe hypnotische Trance erreichen kann. Es gibt nur 2 Dinge die dagegen sprechen. Einerseits sind das Ängste und fehlgesteuerte Erwartungshaltungen der Hypnose gegenüber, weshalb es wichtig ist den Hypnotisanden vor der Tranceinduktion über die Hypnose ausreichend aufzuklären und ein Vertrauensverhältnis zu schaffen. Der Zweite Grund welcher gegen eine Tranceinduktion spricht sind körperliche Leiden, wie z.B. Herzschwäche, hirnorganische Störungen, Geisteskrankheiten, Medikamenteneinfluss und dergleichen. Bei Blinden oder Gehörlosen Menschen kann eine typische Tranceinduktion selbstverständlich auch nicht grundsätzlich so durchgeführt werden, wie bei Menschen die sehen und hören können.

Es wird zwischen zwei Verfahren der Trance Induktion unterschieden. der direkten und indirekten. Erstere arbeitet mit befehlsähnlichen Suggestionen, während zweite gewährenden Charakter hat.  Wichtig ist, dass der Hypnotisand Vertrauen zum Hypnotiseur und der Umgebung hat. Dieses Vertrauen kann auch suggeriert werden (Suggestionen wirken auch im Nomalbewusstsein oder leichten Hypnose).

Meiner Meinung nach ist die Beschränkung der Begrifflichkeit auf die Induktion zu limitiert. Schliesslich hört der Hypnotiseur nicht zu suggerieren auf nachdem die gewünschte Trance-Tiefe erreicht ist. Man müsste also, statt von einer direkten Trance Induktion, insgesamt von einer (in)direkten Hypnose – oder allgemein von (in)direkten Suggestionen sprechen.

Direkte Trance Induktion – autoritär oder paternal:

Hauptelement der direkten Trance Induktion sind sprachliche Anweisungen mit bestimmenden Charakter (“Deine Augenlider werden schwer.”, “Du sinkst tiefer und tiefer.”, “Du bist nicht in der Lage deine Augen zu öffnen, selbst wenn du es mit aller Kraft versuchen würdest.”) Diese können durch akustische oder visuelle, möglichst monotone Stimuli, unterstützt werden. Dazu gehören Techniken wie die Augenfixation (das Anstarren eines Objekts), die Augen-Zähl-Methode (bei der der Hypnotiseur von 100 rückwärts zählt und der Hypnotisand schliesst bei geraden Zahlen die Augen und bei ungeraden öffnet er selbige).

Neben genannten Methoden können auch Berührungen (haptische), Medikamente oder Drogen (chemische), Bewegungen (motorische – z.B. Vor- und Rückwärts schaukeln) und Düfte (olfakorische) eingesetzt werden.

Wichtig für eine erfolgreiche Trance Induktion sind das Einverständnis des Hypnotisanden (der Wille hypnotisiert zu werden), sowie eine positive Einstellung und Erwartung. Der Glaube hypnotisierbar zu sein spielt allerdings keine Rolle.

Indirekte Trance Induktion – permissiv oder maternal:

Indirekte Trance Induktion nutzt all die unterstützenden Elemente die auch die direkte Trance Induktion nutzt (Monotonie, Düfte, Musik, etc.) Die Formulierungen der Anweisungen (Suggestionen) sind allerdings erlaubender Natur (“Du kannst dich jetzt entspannen.”, ” Es kann sein, dass du jetzt Lust hast, deine Augen zu schliessen.”)

Neben dem permissiven Element der indirekten Trance-Induktion, gibt es noch andere Elemente, welche oftmals versteckte Suggestionen sind (“Ich frage mich, wie oft ein erwachsener Mensch wohl am Tag an Sex denkt.” währe ein Äquivalent zur direkten Suggestion “Stellen Sie sich Sex-Szenen vor.” oder selbst ein Satzt wie “Ich fühle mich hungrig.” ist eine indirekte Suggestion: “Stellen sie sich etwas zu essen vor.”) Besonders das letzte Beispiel konnte ich oft in Online-Rollenspielen erleben. Übers spielen vergessen viele der Spieler sich Essen zuzubereiten (Computerspiele als Sucht). Wenn dann einer im Chat eine solche indirekte Suggestion gibt, bekommt er einen viel stärkeren Rapport als dies bei den meisten anderen Sätzen/Suggestionen der Fall wäre. Wir sehen also, dass jeder Satz im Grunde genommen eine Suggestion ist. Wenn wir im alltäglichen Leben darauf achten wie wir unsere Sätze formen, können wir durch indirekte Suggestionen unsere Gegenüber beeinflussen (was Werbung und Politik im übrigen sehr extensiv nutzen). Doch nicht nur Sätze sind indirekte Suggestionen, sondern auch durch Gesten können indirekte Suggestionen sein.

Bei Trance Induktion durch das Milton-Modell werden sprachliche Verallgemeinerungen, Tilgungen (Information weglassen) und Verzerrungen so eingesetzt, dass man assoziativ aus seiner eigenen Erfahrung eine Bedeutung hinzufügt. Es geht darum, gewisse definierte Sprachmuster so einzusetzen, dass eine induziert wird, oder dass in Trance eigene Wege zur Problemlösung (vom Unterbewussten) gefunden werden.

Milton Erickson und seine Anhänger bezweifeln allerdings den Zustand der Somnambulismus, den Zustand der tiefsten Trance, auch hypnotisches Coma oder Esdaile-Zustand genannt.. In diesem Zustand tritt sponan eine völlige Schmerzunempfindlichkeit des ganzen Körpers auf (Ganzkörper-Anästhesie), während in mittlerer Trancetiefe nur eine Anhebung der Schmerzschwelle stattfindet (Analgesie). Da die Existenz dieses Zustandes von Anhängern der direkten Methode nachgewiesen wurde (chirurgische Operationen in Ablationshypnose (Hypnose bei der eine posthypnotische Analgesie auftritt) geht man davon aus, dass die indirekte Methode diesen Zustand nicht erreichen kann. Das liegt daran, dass bei indirekter Tranceinduktion sich der Hypnotisand im Grunde genommen selber Hypnotisiert, das Bewusstsein also wach gehalten werden muss.

Insgesamt widersprechen sich hier die Quellen. Anhänger der direkten Methode beschreiben das Hypnotisanden in tiefer Trance noch immer bei vollem Bewusstsein sind, selbst wenn sie nach der Hypnose sich an diese nicht mehr erinnern können (posthypnotische Amnesie). Das würde dafür sprechen, dass auch in einer Selbsthypnose der Zustand des Somnambulismus erreichbar ist.

mehr Information zm Milton-Modell hier (öffnet neues Fenster)

Es gibt verschiedene Skalen zur Festellung der Tiefe der hypnotischen Trance. Im groben wird aber zwischen 3 Stufen unterschieden, der leichten, mittleren und tiefen Trance. Wikipedia weisst darauf hin, dass “im therapeutischen Kontext auf eine Tiefenfeststellung meist verzichtet wird, da der Behandlungserfolg damit nicht korreliert.” Auf welcher Studie diese Aussage basiert ist mir unbekannt, es mag sein, dass es für Suggestionstherapien keine Rolle spielt wie tief die Trance ist. In der Hypnoanalyse (psychotherapeutischer Ansatz, welcher Hypnose-Techniken und psychoanalytische Methodik verbindet), ist es von zentraler Bedeutung dem Hypnotisanden eine tiefe Trance zu induzieren, weil es nur dann möglich ist, statt symptomatisch zu arbeiten (Symptome weg-suggerieren) die Wurzeln für ein bestimmtes Problem aufzudecken (Rückführung, Neuprogrammierung).

Leichte Trance (Somnolenz):

  • beginnende Entspannung der Muskulatur
  • einfache Suggestionen werden angenommen
  • Regressions- und analytische Arbeiten sind möglich

Mittlere Trance (Hypotaxie):

  • verstärkte Entspannung der Muskulatur
  • Analgesie (Erhöhung der Schmerzgrenze)
  • Annahme aller Suggestionen die nicht der Persönlichkeitsstruktur des Hypnotisanden widersprechen
  • Anästhesie durch Suggestionen ist möglich

Tiefe Trance (Somnambulismus):

  • vollkommene Entspannung
  • Verlust der Kritikfähigkeit des Wachbewusstseins
  • auch unlogische und realitätsfremde Suggestionen werden angenommen
  • partielle Amnesie durch Suggestionen ist möglich
  • Suggestion von Halluzinationen ist möglich
  • Eintritt einer spontanen Ganzkörpe-Anästhesie
  • Erreichen eines katatonen Zustandes (Gliedmassen bleiben in der Stellung in die sie gebracht werden)

  • Amnesie (vergessen)
  • Hypermnesie (gesteigertes Erinnerungsvermögen)
  • Glieder- und Ganzkörpe-Katalepsie (Versteifung)
  • Analgesie (Erhöhung der Schmerzgrenze)
  • Anästhesie (völlige Schmerzunempfindlichkeit)
  • idiomotorische Signale
  • positive und negative Halluzinationen
  • kinästhetische Illusionen
  • posthypnotische Suggestionen

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Saturday, September 23rd, 2006 at 22:19
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  • Bewerbung Charly
    Mar 17th, 2010 at 01:01 | #1

    Servus,
    finde diesen Blog wirklich sehr toll und sehr interessant (das meiste davon habe ich über Hypnose nicht gewußt), weiterhin viel Erfolg, hab mir die Seite schon zu meinen Favouriten hinzugefügt,
    schöne Grüße
    Charly

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